Ehemaligenbericht von Heinrich E. Benedikt «Plötzlich wurde mir klar: ich hatte Gott getötet» (Burgstaller/Schaaf, 2007)

Interview mit einem ehemaligen Mitglied der Gemeinschaft Maranatha e.V. von Heinrich Elijah Benedikt

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von Adriana Burgstaller & Susanne Schaaf


Einleitung

Frau Michaela Hauser (Name geändert) war von 1995 bis 1998 Mitglied der Gemeinschaft Maranatha e.V.(1) von Heinrich Elijah Benedikt (2). Es fing alles ganz harmlos an, mit Seminaren zu philosophischen und psychologischen Themen wie z.B.«Liebe versus Abhängigkeit». Heinrich E. Benedikt bezeichnet sich als Lehrer der universellen Kabbala und der Lehre Christi und vereint in seiner Lehre Elemente aus dem Christentum, dem Hinduismus und der Esoterik. Die Gemeinschaft ist wenig bekannt. Im Internet finden sich nur positive Selbstdarstellungen. Michaela Hauser möchte der Öffentlichkeit eine umfassende Sichtweise ermöglichen. Der Erlebnisbericht zeigt, wie sich in einer eher unbekannten, engagierten Gemeinschaft eine Dynamik von Versprechen, Manipulation und Schuldgefühlen entwickelt, die schwere psychische Folgen für die Betroffenen nach sich zieht. Die Geschichte zeigt auch, dass der Leiter mit seiner gottähnlichen Rolle überfordert ist und die Gemeinschaft im Stich lässt. Nach seinem psychischen Zusammenbruch zieht sich Heinrich E. Benedikt zurück und der Vereinsvorstand sieht sich 1998 gezwungen, die Gemeinschaft aufzulösen. Als Michaela Hauser 2004 zufällig das neue Buch von Heinrich E. Benedikt im Schaufenster entdeckt und der Sache nachgeht, stellt sie fest, dass sich in der neu gegründeten Gemeinschaft kaum etwas geändert hat. Geht jetzt alles wieder von vorne los? 

Interview: Einstieg

infoSekta: Frau Hauser, können Sie uns schildern, wie Sie die erste Begegnung mit Heinrich E. Benedikt erlebt haben?

Michaela Hauser: Ich war bereits nach dem ersten Seminar Feuer und Flamme. Wir wurden für ein mehrtägiges Seminar nach Immenstadt (3) in Deutschland eingeladen. Ich hatte schon viel von Heinrich gehört und war extrem gespannt. Als wir den Seminarraum betraten, wies man uns an, mit unseren Meditationskissen einen Platz zu suchen und zu warten. Alle waren ganz still, da man sich nicht kannte. Und dann kam er. Ich hatte eine so grosse Erwartungshaltung, dass ich gleich im ersten Augenblick sehr beeindruckt war. Er ist ein gross gewachsener Mann mit enormem Charisma. Er trat unkompliziert und freundschaftlich auf. Ich war sehr angetan von ihm.

Wie sah Ihre Lebenssituation aus, bevor Sie Heinrich E. Benedikt kennen lernten, wie haben Sie von ihm erfahren?

Ich war verheiratet, Mutter von drei Kindern und habe Teilzeit gearbeitet. Für die spirituellen Aspekte des Lebens interessiere ich mich schon lange, eigentlich seit ich mit 19 Jahren meine Mutter verlor. Es beschäftigte mich sehr, wo sie jetzt ist, was geschieht, wenn ein Mensch stirbt. Ich las Bücher und besuchte verschiedene esoterische Meditationsgruppen. Von Bekannten hörten mein Mann und ich von Heinrich und meldeten unser Interesse für seine Seminare an. Es hiess, es gebe eine Warteliste. Das verstärkte natürlich unsere Neugier und Hoffnung. Als dann nach einigen Monaten eine neue Gruppe gebildet wurde, durften wir endlich auch teilnehmen. 

Interview: Die Seminare

Können Sie uns die Seminare näher beschreiben?

Pro Jahr gab es für jede Gruppe höchstens drei Seminare. Die Seminare begannen am Donnerstagabend und dauerten bis Sonntagmittag. Jeder Tag umfasste ein bis zwei Blöcke mit Meditation und Ausführungen, insgesamt fünf Blöcke in drei Tagen. Die langen Meditationen wurden jeweils von Heinrich angeleitet. In der letzten Stunde liess er die Leute mit seinen Anweisungen allein. Oft geschah es dann, dass viele der Anwesenden stark ergriffen waren und weinten. Manchmal war das sehr schwer zu ertragen, besonders wenn man selber nicht weinen musste. Viele weinten so hemmungslos und verzweifelt, dass ich es manchmal fast nicht mehr aushielt. Nach den Meditationen forderte Heinrich einzelne gezielt auf zu erzählen, was in ihnen vorgegangen sei.

Hatten die Seminare jeweils ein bestimmtes Thema?

Eigentlich hatte jedes Seminar ein Thema wie zum Beispiel «Das geistige Herz» oder «Liebe versus Abhängigkeit». In den Seminaren sprach Heinrich aber meist frei und liess sich davon leiten, was ihm die Leute nach den Meditationen mitteilten. Er führte die Ängste, Zwänge und Probleme, die die Menschen schilderten, auf Vergehen in der Vergangenheit [d.h. während früherer Leben] zurück und schuf Bezüge zu seiner Lehre. Anfangs geschah das nur in Andeutungen. Der fünfte Block war meist so gestaltet, dass man das Seminar in froher Stimmung beendete. Heinrich betonte die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes und dass wir uns an Jesus wenden könnten. Zuhause beschäftigten mich die Themen des Seminars weiter, denn es ging immer um Schuld. Ich hatte das Gefühl, ich hätte viele «Leichen im Keller» aus früheren Leben, von denen ich bis anhin noch nichts gewusst hatte. Aber ich lernte, dass es sie geben musste, weil daraus ja meine Probleme und Ängste resultierten. Die damit verbundenen Schuldgefühle beschäftigten mich sehr. Mit der Zeit war ich auch zunehmend verängstigt, deprimiert und frustriert.

Hatten Sie den Eindruck, dass es für die Teilnehmenden etwas Besonderes war, wenn sie vor Heinrich E. Benedikt erzählen und bekennen durften?

Ich kann hier nur von mir reden: ich hatte Heinrich zu dieser Zeit bereits als einen Menschen anerkannt, der mehr weiss als andere und mir den Weg weisen kann. Deshalb sog ich seine Äusserungen und Anspielungen wie ein trockener Schwamm auf und versuchte, einen Zugang dazu zu finden. Bei vielen Äusserungen sah ich zunächst keine Verbindungen. Ich war aber davon überzeugt, dass sich das schon noch ergeben werde.

Fanden neben den Seminaren in Immenstadt weitere Treffen statt?

Einmal pro Woche hatten wir Meditationsgruppe in Zürich. Heinrich war dort zwar nicht dabei, er bestimmte aber, wer zum Beispiel zu Meditationsbeginn die Menora (4) anzünden oder ein Lied anstimmen durfte. Das mag jetzt nebensächlich klingen, aber für uns war das von grosser Bedeutung. Während der Woche trafen wir Leute aus der eigenen Gruppe und meditierten zusammen bei jemandem zuhause. Insgesamt trafen wir uns zwei bis drei Mal pro Woche. 

Wie viele Personen waren zu dieser Zeit involviert?

Jede Gruppe umfasste 50 bis 90 Personen. Es gab etwa fünf oder sechs Gruppen. Daneben gab es noch das Team - rund 15 Personen -, das in Immenstadt lebte. In Indien und Israel waren es nochmals etwa 20 Personen. Die Teilnehmenden waren gruppenweise zusammengefasst und trafen sich auch als geschlossene Gruppen in den Seminarien. Neuzugänge zu bestehenden Gruppen gab es kaum.

Wie viel kostete damals ein Seminar in Immenstadt? Wie finanzierte sich das Zentrum? 

Zu meiner Zeit kostete ein Seminar vielleicht 250 bis 350 Franken, inklusive Kost und Logie. Die Immobilien gehörten damals dem Maranatha e.V. Das Zentrum in Immenstadt und die Liegenschaften in Indien und Israel wurden mit dem Vermögen der Anhänger und Anhängerinnen gekauft und finanziert. Einige verkauften ihre eigenen Häuser, lösten ihre Pensionsgelder aus und übergaben alles Heinrich. Heute steht in Immenstadt ein Bildungszentrum für Seminare und Kurse im spirituellen Bereich. Es hängt aber nicht mehr mit Heinrich zusammen. 

Interview: Veränderung des Alltags

Können Sie uns beschreiben, wie sich Ihr Alltag veränderte, nachdem Sie das erste Mal in Immenstadt waren?

Ich versuchte, jeden Tag zu meditieren, frühmorgens und auch abends vor dem Schlafengehen. Innerlich sollte man sich stets ausrichten, wie wenn man Jesus an seiner Seite hätte und ihn fragen könnte: «Was soll ich jetzt tun? Wie würdest du handeln?» Wir versuchten auch, gewisse Ernährungsregeln einzuhalten. Für mich war das nicht schwierig, ich war vorher schon Vegetarierin. Neu kam dazu: kein Alkohol, kein Kaffee, keine Zigaretten, keine Suchtmittel, keine Zwiebeln und Eier. Das wurde zwar nicht dogmatisch gelehrt, aber uns wurde vermittelt, dass die Einhaltung der Regeln wichtig sei, um sich zu reinigen.

Wie wirkte sich diese neue Ausrichtung beruflich und privat aus?

Beruflich hatte mein Engagement eigentlich keine grosse Auswirkung, aber auf das Privatleben. Mit der Zeit verlor ich das Interesse an weltlichen Vergnügungen. Ich fand vieles profan, hatte keine Lust mehr zum Einkaufen, ins Kino zu gehen oder auswärts zu essen. Ich versuchte, mich in der freien Zeit neben meinen Kindern mit spiritueller Lektüre, Meditation und Gebet zu befassen, jede freie Minute.

Wie reagierten Ihre Freunde und Verwandten darauf?

Meine Schwester und auch mein Vater sprachen mich einige Male darauf an, ob es mir nicht gut gehe, ich sei irgendwie sektiererisch. Ich hütete mich aber, zu viel von meiner Welt zu erzählen. Ich hatte das Gefühl, sie könnten es sowieso nicht verstehen und würden alles als Sekte abwerten. Ich selber war natürlich davon überzeugt, dass es keine Sekte sei. Zu früheren Bekannten und Freunden ergaben sich zunehmend Diskrepanzen, mein Mann und ich nahmen ja nicht mehr an gesellschaftlichen Anlässen teil. Deshalb verkehrten wir immer häufiger mit den Menschen, die auch bei Heinrich waren.

Haben Sie den Eindruck, dass die Teilnehmenden von Heinrich E. Benedikt abhängig waren?

Von Heinrich abhängig? Ja. Wir haben Heinrich zwar selten gesehen, da die Seminare für jede Gruppe höchstens drei Mal pro Jahr stattfanden. Die meisten hätten ihn gerne öfter gesehen und versuchten auch, ihn irgendwie zusätzlich treffen zu können, da sie ihn als spirituellen Meister angenommen hatten. Es wurde gewünscht, dass wir selbst aktiv werden, uns zum Meditieren treffen oder ehrenamtliche Aufgaben übernehmen. Viele begannen zum Beispiel, in Altersheimen zu arbeiten. Es gab auch Teilnehmende, die deshalb ihren Beruf aufgaben, und solche, die eine Krankenpflegeausbildung begannen. Heinrich sagte, wir sollten die Zeit nutzen, die uns noch bleibt. Wir sollten etwas lernen, das nützlich und hilfreich ist für die Zeit der Drangsal. Heinrich ging ja davon aus, dass das Endgericht bald stattfinden werde. 

 

Interview: Inhalte und Lehre

Nennt Heinrich E. Benedikt Daten für das Weltende?

Damals nannte er keine genauen Daten, davor hütete er sich. Er gab aber immer wieder Hinweise, und wir gingen damals davon aus, dass es in 10 Jahren vorbei sein würde, also eigentlich heute. 

Wie stellt sich Heinrich E. Benedikt das Endgericht vor? 

Heinrich sagte und schrieb ganz klar, dass jeder Einzelne beim Endgericht mit Jesus konfrontiert werde und dann erkenne, wie er sich an Jesus und vor allem in der vorsintflutlichen Zeit vergangen habe. Er zitierte zur Verdeutlichung die Johannesoffenbarung: «Und jedes Auge wird sehen, wo er ihn durchbohrt hat (5)». Heinrich warnte uns: wir sollten lieber jetzt schon damit beginnen, das zu erkennen, damit wir im grossen Moment dann nicht vom Schrecken übermannt würden und verloren seien. Er sagte, jetzt hätten wir noch Zeit umzukehren. Die sieben Jahre der Drangsal würden sich wie in der Johannesoffenbarung beschrieben vollziehen, prophezeite Heinrich. Dieser Umbruch werde eine sehr schlimme Zeit für alle Menschen sein. Danach komme es zur letzten Schlacht um Jerusalem zwischen den Anhängern des Antichristen und denjenigen, die Jesus folgen, dem Gottesvolk, den Priestern.

Sind mit dem Gottesvolk nur Menschen gemeint, die Heinrich E. Benedikt nachfolgen, oder alle Christen?

Alle, die sich Christen nennen, aber es im inneren Herzen auch wirklich sind, nicht einfach nur durch Kindestaufe. Es ist eine Frage der inneren Einstellung. Auch sehr fromme Hindus können dazugehören, denn Heinrich geht davon aus, dass Menschen aus Indien nicht mit der gleichen Schuld beladen sind wie Menschen, die im Westen geboren wurden. Weil Hindus in einem anderen Kulturraum geboren wurden, müssen sie sich nicht im selben Ausmass mit ihrer Schuld auseinandersetzen. Heinrich hat oft gesagt, die sanfte Flöte von Krishna sei gut und recht – wir haben auch viele Krishna-Lieder gesungen –, aber sie sei eine kleine Flucht. Letztendlich müsse sich jeder mit den harten Tatsachen des Kreuzes konfrontieren. Übrigens rechnen die neuen Mitglieder heute wieder mit der Drangsal, die bald eintreffen wird. Heinrich lebt zum Teil wieder in Israel – er hat das israelische Bürgerrecht – , weil er erwartet, dass dort demnächst alles stattfinden wird. Er richtet sich dort ein, denn er versteht sich als Stellvertreter Gottes auf Erden im neuen Reich, wenn alles vorbei ist. 

Wo würden Sie Heinrich E. Benedikts Lehre innerhalb der Weltreligionen einordnen?

Die Lehre ist sicher christlich und basiert stark auf dem Judentum, ähnlich dem neu-messianischen Judentum (6). Heinrich selber ist Halbjude und pflegt in Israel Kontakte zu Juden, die an Jesus als Gottes

Sohn und Messias glauben. Ein zentrales Thema ist alles, was vor Noah geschah. Heinrich verbindet die Sintflut mit dem Untergang des Inselreiches Atlantis. Nach seinen Aussagen fanden die schlimmsten Vergehen vor dieser Zeit statt, zum Beispiel die Ermordung Gottes (Osirismord) oder die Erschaffung des Antichristen. Allerdings spricht er nicht gleich in den ersten Seminaren davon, und auch später spricht er nur in Andeutungen von diesen voratlantischen Ereignissen. Heinrich zieht auch Parallelen zu anderen Religionen, zum Beispiel zum indischen Vedanta, einer Richtung in der indischen Philosophie. Die Islamisierung bekämpft er aber stark, obwohl er auch Kontakt zu islamischen Geistlichen sucht. Ein weiteres wichtiges Element von Heinrichs Lehre ist die Reinkarnation. Er setzte viele biblische Gestalten zueinander in Bezug, zum Beispiel Johannes den Täufer zu Elias. Er zog auch Parallelen zur ägyptischen Mythologie, hier identifizierte er Maria mit Isis, einer ägyptischen Göttin, und Jesus mit Horus, dem ägyptischen Sonnengott. 

Auf welche Quellen stützt sich Heinrich E. Benedikt in seiner Lehre?

Er legte diese Parallelen so überzeugend und einleuchtend dar, dass niemand nach Quellen fragte. Die Mitglieder akzeptierten ihn als ihren Meister und zweifelten nicht an seinen Ausführungen. Heinrich wies sich selber innerhalb seiner Lehre eine besondere Stellung zu, die solche Fragen erübrigte. 

Welche Stellung nahm Heinrich E. Benedikt innerhalb der Lehre und der Gemeinschaft ein? 

Heinrich sah und sieht sich immer noch als Priesterkönig Israels, als Inkarnation von Adam und der ägyptischen Gottheit Osiris. Das legte er aber erst dann offen, wenn die Leute so weit waren, dass sie es selber erkannten. Durch Andeutungen stellte er klar, dass er sich so identifizierte. Er forderte Teilnehmende auf, Sätze nachzusprechen und schaute sie dabei intensiv an. So erkennt jeder nach und nach, dass Heinrich sich selber meint. Direkt aussprechen würde er es aber nie gegenüber Schülern und Schülerinnen, die nicht dem engsten Kreis angehören und ein Gelübde auf ihn abgelegt haben.

Was beinhaltete dieses Gelübde?

Ich kann das nicht im Detail sagen, da ich es selber nicht abgelegt habe. Es geht zum Beispiel um Enthaltsamkeit und absoluten Gehorsam Heinrich gegenüber. Man legte sich vor Heinrich auf den Boden, um das Gelübde abzulegen.

Worauf bezog sich der Gehorsam? Welches Verhalten wurde gewünscht?

Es ging hauptsächlich darum, Anweisungen von Heinrich genau zu befolgen und sich ihm mit Haut und Haaren zur Verfügung zu stellen. Leute aus dem Team sollten über bestimmte Inhalte schweigen. Darunter fielen beispielsweise mündliche Belehrungen von Heinrich, seine Identifikation als Inkarnation von Adam und Osiris, seine Selbsteinschätzung als gesalbter Priesterkönig und auch seine konkreten Pläne un Aufenthaltsorte. Eine Frau musste einmal eine ganze Woche lang schweigen, um Gehorsam zu lernen. Oder es hiess plötzlich, man dürfe nicht mehr privat nach Israel reisen. Irgendwann begann man plötzlich, sich vor Heinrich zu verneigen und «Om Namah Shivaya» zu sagen, ein Mantra zur Ehrung des Gottes Shiva. Man nannte Heinrich neu Gurudev, eine respektvolle Anrede für einen göttlichen Meister. Das entwickelte sich ganz subtil, indem ein älterer Schüler damit anfing. Wenn jemand das nicht nachmachte, wurde er sanft darauf angesprochen und gefragt, warum er seinem Lehrer nicht mehr Respekt zolle, ob ihm Heinrich denn nicht wichtig sei. 

Welches waren die Konsequenzen, wenn jemand den Gehorsam nicht einhalten konnte?

Personen, die nicht zum engeren Kern gehörten oder noch unentschieden schienen, behandelte Heinrich freundlich distanziert. Er forderte sie selten auf, sich mitzuteilen, und schenkte ihnen wenig Aufmerksamkeit. Personen, die zum engen Team gehörten, wurden bei mangelndem Gehorsam gerügt. Wenn man sich Heinrichs Anweisungen widersetzte, kam es teilweise zu harschen Verweisen. Mit dem Hinweis, wohin Ungehorsam die Menschen geführt hat, nämlich zu Entfremdung von Gott, machte er die Anhängerinnen und Anhänger schnell gefügig. 

Wurde auch mit Ausschluss gedroht?

Nein, es war ja alles freiwillig. Das hat Heinrich immer wieder betont. Aber er stellte auch unmissverständlich klar, dass die Teilnahme eine unwiderrufliche Chance sei, da das Endgericht vor der Tür stehe. Das löste Angst und damit Gefügigkeit aus. Man bekam jeweils die Einladung für das nächste Seminar. Aber wer besonders eifrig war, bekam vielleicht eine Einladung für ein Seminar einer anderen Gruppe oder zu einer spirituellen Bildungsreise nach Israel, Ägypten oder Indien. Da wir Heinrich so selten sahen, war eine zusätzliche Einladung etwas ganz Besonderes, eine Belohnung.

Was für ein Menschenbild vertrat Heinrich E. Benedikt?

Heinrich beschrieb den Menschen als Geistwesen, das infolge seines Ungehorsams gegen Gott (Sündenfall) in die Materie gefallen sei. Der Kreuztod Jesus’ stelle den grossen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit dar, der zurück zum Ursprung führen solle und im Endgericht gipfle. Das Ziel sei die Wiederherstellung der ursprünglichen Verhältnisse: eine theokratische Gesellschaft, von Priestern geführt, an deren Spitze der gesalbte Priesterkönig von Israel steht. Heinrich sah sich als diesen Stellvertreter Gottes auf Erden. Im Laufe der Seminare erkannten sich die Mitglieder dann als Priestervolk von Israel. Es ging und geht Heinrich darum, dieses Priestervolk wieder zu sammeln. 

Gibt es Menschen, die in den Augen von Heinrich E. Benedikt prädestiniert sind, zu diesem Priestervolk zu gehören?

Heinrich sagt, dass jeder Mensch seine Berufung hat, seit seine Seele geschaffen wurde. Ändern könne man daran nichts, man könne nicht wählen. Ziel sei es, diese Berufung wiederzuentdecken, indem man den Schutt bekennt und ausräumt, der sich über die vielen Inkarnationen in allen Menschen angesammelt hat, all die vielen Schuld- und Sündenanhäufungen. So könne man wieder zur Quelle findet, wo das Wasser rein fliesst. Dann sei auch die Berufung wieder erkennbar.

Wie bringt man diesen «Schutt» weg?

Indem man sich in den Meditationen auf Heinrichs Führung einlässt und ans Licht bringt, was man dort gesehen hat. Oft fanden sich die Teilnehmenden in erschreckenden Situationen wieder: zum Beispiel sahen sie Berge von Kinderleichen oder waren Teil eines satanistischen Rituals. Die inneren Bilder waren so überwältigend, dass die Betroffenen in Tränen ausbrachen, voller Furcht und Schrecken. Heinrich sagte immer: «Es gibt kein Dazugekommen-Sein.» Das heisst, wenn du etwas siehst, dann warst du auch dabei, und zwar als Täter und nicht als unbeteiligter Beobachter. Einmal musste ich folgenden Satz von Heinrich wiederholen: «Ich habe ihn und seinen Leib zerstückelt, aber sein Antlitz ist unauslöschlich in mir.» Erst brachte ich den Satz kaum über meine Lippen. Aber es musste doch etwas dran sein, wenn Heinrich das sagte. Als mir klar wurde, was er damit meinte, wurde ich von immensen Schuldgefühlen übermannt: ich hatte Gott getötet und mitgeholfen, den Antichristen zu zeugen! Das war extrem beängstigend. Aber schliesslich sollten alle an den Ort kommen, wo sie sich als Täter sahen. Heinrich sagte, man solle diese Dinge nicht länger verdrängen, sondern sich mitteilen, auch wenn es noch so abscheulich sei.

Wie wurden die Teilnehmenden betreut? Es waren ja sehr viele Personen in einer Gruppe und in der Meditation war jeder auf sich gestellt.

Die Betreuung war mangelhaft. Viele Leute konnten sich nicht mitteilen, auch wenn sie sich meldeten. Andere forderte Heinrich manchmal auf, obwohl sie sich nicht gemeldet hatten.

Setzte Heinrich E. Benedikt physische Krankheiten in Bezug zu Schuld aus früheren Leben?

Dazu äusserte er sich nicht gross. Er verwies öfter auf den indischen spirituellen Meister Ramana Maharshi (1879-1950), der krebskrank war. In diesem Zusammenhang erklärte uns Heinrich, dass der Körper und das Seelische nicht unbedingt linear miteinander verbunden seien. Wer gesund sei, sei nicht zwangsläufig auch psychisch oder geistig weiter fortgeschritten als andere. Ich hatte mich vorher schon mit esoterischen Konzepten befasst und denke, Heinrich hebt sich hier von herkömmlichen esoterischen Vorstellungen ab.

Spricht Heinrich E. Benedikt von Energien? Hat zum Beispiel Kundalini einen Stellenwert? 

Ja, dass man die Chakras bzw. Energiezentren des Körpers kennt, ist eine Voraussetzung. Die Kundalini-Schlange schlummert im untersten Chakra, im Wurzelchakra, und sollte nach oben ins Scheitel- oder Kronenchakra geführt werden. Heinrich gibt in den Meditationen so genanntes Shaktipad: eine Art Energieübertragung. Er schreitet im Seminarraum umher und berührt einzelne Teilnehmende an verschiedenen Stellen des Körpers und gibt ihnen dadurch Shaktipad. 

Wurde man an denjenigen Stellen berührt, von denen Heinrich E. Benedikt glaubte, dass dort der Energiefluss stockt?

Ja, das erklärte er allerdings nie wirklich. Er machte es einfach, und alle waren froh, wenn sie Shaktipad bekamen. Wir hofften, dass er die blockierten Bereiche löst und uns zu einem geistigen Durchbruch verhilft. Shaktipad war wie eine Gnade, die er uns zukommen liess – oder eben nicht. 

Welche Sichtweise hat Heinrich E. Benedikt zum Thema Sexualität?

Nach Heinrich gibt es fünf Arten, Sexualität zu leben. Die einfachste Art dient dazu, Frustrationen abzuladen. Die zweite Art ergibt sich aus der Suche nach Lust und Sinnlichkeit. Die dritte Art ist Ausdruck von Liebe und dient der Begegnung. Die nächst höhere Art ist mit der Sehnsucht nach einem Kind verbunden. Auf der letzten Stufe lebt man Sexualität nicht mehr aus, sondern man transformiert die Energie. Nach Heinrich sollte man diese letztgenannte Stufe anstreben, wenn man die Suche nach der Berufung ins Zentrum seines Lebens stellt. Diejenigen, die ein Gelübde abgelegt hatten und in Immenstadt, Indien oder Israel lebten, übten Enthaltsamkeit. 

Gab es Leitsätze, wie man als Paar miteinander umgehen sollte?

Leitsätze in dem Sinne nicht. Paare, die ins Werk eintraten, traten aber getrennt auf, sie lebten und wirkten nicht an denselben Orten. Es konnte sein, dass eine Person in Indien und die andere in Israel lebte. Heinrich scheute sich davor, Familien auseinander zu reissen. Aber bei Paaren, die keine oder schon erwachsene Kinder hatten, galt der Lebensabschnitt als Paar für beendet. Die Menschen sollten jetzt alleine auftreten und sich voneinander lösen. Heinrich selber war allerdings verheiratet und lebte mit seiner Frau zusammen. 

Interview: Zweifel und Ausstieg

Wann kamen bei Ihnen erste Zweifel auf? 

Etwa ein Jahr vor Heinrichs psychischem Zusammenbruch wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, dass mein Mann fremdgegangen war. Das war eine sehr schwierige Zeit für mich. Ich hatte das Gefühl, dass plötzlich nichts mehr stimmte, was wir miteinander erlebt hatten. Ich verlor den Boden unter den Füssen, aber ich redete nicht viel darüber, weil ich meinen Mann schützen wollte. In dieser Zeit bat ich Heinrich in einem Brief um Hilfe, bekam aber keine Antwort. Irgendwann hatte ich in Immenstadt einen Einbruch und jemand aus dem Team erzählte Heinrich davon. Er rief mich aus Israel an. Am Telefon erzählte ich Heinrich von meiner Situation und davon, dass mein Ex-Mann ein Problem damit habe, dass wir momentan ohne Sexualität lebten, dass diese Distanz derzeit aber wichtig für mich sei. Da sagte Heinrich zu mir – und ich bin aus allen Wolken gefallen –, wieso wir denn keinen Sex hätten, wir sollten es doch machen wie Shiva und Shakti, uns gegenseitig heiligen und die Sexualität auf eine göttliche Ebene bringen. Dann sei alles in Ordnung. So lautete seine Antwort, das Telefongespräch war beendet. Ich war völlig verwirrt. Das war ein Widerspruch in der Lehre und auch zu meinem Gefühl. Das erste Mal hatte ich Zweifel. Trotzdem habe ich mich überwunden, gegen mein Gefühl. Ich dachte, das Problem liege bei mir, und ich müsse jetzt lernen, damit umzugehen, statt den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Ich vertraute darauf, dass Heinrich mehr sah als ich. Nach Heinrichs Zusammenbruch Ende November 1997 tauchten dann zum zweiten Mal grosse Zweifel auf, als ich ihn im Februar 1998 im Spital besuchte und er sehr verwirrt war.

Wie kam es zu diesem Zusammenbruch?

Er brach zusammen, nachdem er sich offiziell eine neue Partnerin genommen hatte, eine junge Schülerin, die er als neue Isis ausrief. Bis dahin galt seine bisherige Frau als Isis, sie sollten wir als Inkarnation von Isis verehren. Zwei Wochen später brach er zusammen, wurde krank und musste ins Spital eingeliefert werden. Von seiner neuen Partnerin hatte er sich wieder getrennt. Er sass im Rollstuhl, ein Schatten seiner selbst.

Wie wurde sein Zusammenbruch in der Gruppe wahrgenommen?

Als es hiess, er habe sich von seiner Frau getrennt und eine neue Partnerin, gab es einen totalen Riss durch die Gemeinschaft. Die einen wandten sich sofort von ihm ab. Andere brachen in Tränen aus, und wieder andere lächelten. Zu diesen gehörte ich. Wir dachten, das sei eine grosse Prüfung, ob wir Heinrich wirklich folgen, ob wir ihm wirklich vertrauen auch in dieser schweren Zeit. Das einzige, woran ich mich in dieser Zeit hielt, war, dass ich Heinrich treu blieb.

Wie ging es danach weiter?

Mit den Jahren realisierte ich, dass alles totaler Humbug war. Es gab Mitglieder, die sich für Heinrich von ihren Partnern oder Partnerinnen getrennt hatten. Ich weiss von einer Frau, die wegen der Gruppe das Sorgerecht für ihre Kinder verloren hatte. Andere hatten ihren Beruf aufgegeben oder mit ihren Familien gebrochen. Viele Personen aus dem engen Kreis hatten starke Schuldgefühle, weil sie Heinrichs Anweisungen an andere weitergegeben hatten und andere in die Sache hinein gezogen hatten. Es gab mehrere Personen, die psychiatrische Hilfe brauchten und noch heute unter den Folgen leiden. Einzelne Mitglieder hatten anfangs noch Kontakt untereinander, vor allem diejenigen, die in seinem Werk auf eigene Kosten gewohnt und gearbeitet hatten. Andere zogen sich sofort oder allmählich zurück, einige tauchten ab. Einige Personen, zum Beispiel die damalige Zentrumsleiterin, sind wie vom Erdboden verschwunden. Der Schmerz, der Verlust und auch die Verwirrung waren so gross, dass die meisten selber schauen mussten, wie sie über die Runden kamen. 

Dann war der Verlust Heinrich E. Benedikts gleichzeitig auch ein Verlust des sozialen Umfelds?

Die Gemeinschaft zerfranselte allmählich. Jeder musste für sich selber prüfen, wo er stand und wie er mit all dem umgehen wollte. Heinrich schrieb etwa zwei oder drei Monate später in einem Brief an alle Gruppen, er habe sich in allem geirrt, könne nicht mehr Lehrer sein und ziehe sich von der Führung zurück. Jeder müsse seinen Weg jetzt alleine gehen. Mit vielen Personen hatte man sich sehr verbunden gefühlt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele an der Gemeinschaft gelitten hatten, da die Dynamik in der Gruppe nicht immer einfach war. Trotz dieser Verbundenheit und Nähe ist die Gruppe schnell auseinander gefallen. Es ist erstaunlich, dass es danach kaum mehr Gemeinsamkeiten unter den Teilnehmenden gab. Es war ein grosser Verlust. 

Wie gingen Sie mit der Auflösung der Gruppe um?

Ich hing noch lange dem Gedanken nach, dass es sich schon zeigen würde, wofür das alles gut sein müsse, und dass es vielleicht wieder weitergehe. Ich hatte geträumt, dass eine solche Prüfung kommen würde, und deshalb wartete ich zunächst und wartete und wartete, bis ich dann irgendwann realisierte, dass daraus nichts wird. Nach einem Jahr des Wartens und Hoffens und vor allem nach der Trennung von meinem Mann stürzte ich mich dann in ein neues Leben: ich ging wieder tanzen, feierte Partys. Ich spielte wieder Theater und aktivierte alte Kontakte. Ich schob die ganze Geschichte völlig zur Seite, konnte nichts aktiv verarbeiten, es war zu verwirrend und zu schmerzhaft. Ich versuchte, in eine ganz andere Richtung zu schauen. 

Was geschah mit ihrer Spiritualität? 

Ich wollte nichts mehr von Spiritualität hören. Tief in mir hatte ich zwar immer wieder Sehnsuchtsanfälle. Ich hoffte, es möge nichts Schlimmes passieren, das mich aus der Bahn werfen könnte. Denn ich hatte nichts, an dem ich mich festhalten konnte. Ich war am Limit und hoffte auf eine Zeit, in der sich alles klären würde. 

Wie kommt es, dass Sie sich jetzt wieder mit dem Thema auseinandersetzen?

Nachdem ich das neue Buch von Heinrich in einem Schaufenster entdeckte, war ich sehr aufgewühlt. Auf dem Internet fand ich dann seine neue Website. Ich nahm wieder Kontakt zu ihm auf, um endlich sein persönliche Stellungsnahme zum Ganzen zu hören und herauszufinden, wo er heute steht. Er hat mich daraufhin angerufen, und es kam zu einem Treffen bei mir zuhause.

Hatten Sie die Hoffung, dass es doch eine Fortsetzung geben könnte?

Ich hoffte, dass Heinrich heute an einem anderen Punkt steht, geläutert und nicht mehr hochmütig. Ich hoffte, seine Erfahrung habe ihn weich werden lassen. Aber ich muss ehrlicherweise zugeben, im Hinterkopf dachte ich, vielleicht könnte das Geschehene aus neuer Sicht doch einen Sinn ergeben. Bei unserem Treffen erzählte mir Heinrich, dass er wieder Seminare leite und das Werk neu aufbaue. Ich war konsterniert, dass er kein Wort des Bedauerns oder der Reue über das Geschehene äusserte und dass er abfällige Bemerkungen über frühere Mitglieder machte. Unter den neuen Teilnehmenden sei auch ein Schweizer dabei. Heinrich fragte mich, ob dieser Schweizer mit mir in Kontakt treten dürfe, denn er sei recht einsam, weil er der einzige Teilnehmer aus der Schweiz sei. Ich solle doch aber bitte den alten Kram nicht erwähnen. Damit konnte ich mich natürlich nicht einv erstanden erklären. Anfangs 2007 kam dann der Kontakt zustande. Der Teilnehmer schwärmte, wie schön alles sei. Da merkte ich, dass es genau dasselbe war wie früher: dieselben Themen, dieselben Strukturen, haargenau das Gleiche. Begeistert erzählte er, er wolle seine Berufung entdecken und habe seine Stelle gekündigt, um ins Werk einzutreten. Ich sagte ihm ganz klar, was ich von der Sache halte und was ich erlebt habe. Er war sehr interessiert und bewegt, hatte viele Fragen und äusserte auch Zweifel.

Wissen Sie etwas darüber, was im Moment in der Gruppe läuft und wie viele Leute dabei sind?

Soweit ich weiss, dürfte es in Deutschland etwa zwei oder drei Gruppen geben. Das kann man auch der Homepage entnehmen, Heinrich schreibt von Terminen der Gruppe Jülich und der Gruppe Bonlanden. In der Gruppe Bonlanden sind es etwa 30 Personen, und in Jülich dürften weitere 30 bis 40 sein. Die Gruppe Jülich hat einen Verein mit dem Namen «Frieden im Heiligen Land (7)» gegründet. Sie sammeln Geld und setzen sich intensiv für das neue Werk Heinrichs ein. Ein grosses Projekt ist auch die «Jerusalem Peace Academy (8)», die Heinrich gegründet hat. Es geht aber nicht um eigentliche weltliche Friedensarbeit. Er möchte Repräsentanten verschiedener Religionen zu einem spirituellen Gipfel einladen. Dabei verfolgt er erneut seine alten Ziele: seinespirituellen Machtansprüche als Gottvertreter auf Erden umzusetzen.

Wie beurteilen Sie heute aus der Distanz, was Sie vor zehn Jahren erlebt haben?

Aus meiner Sicht fanden schlimmer Missbrauch und religiöse Ausbeutung statt. Meiner Meinung nach missbrauchte Heinrich die Sehnsucht der Menschen. Ich wünsche niemandem, diese Erfahrung machen zu müssen. Man soll über die Vorfälle nicht schweigen, vor allem, weil jetzt alles wieder von Neuem losgeht. Heinrich baut seine neuen Aktivitäten auf diesem Schweigen auf. Ich kam mit diesem Erlebnis oft an meine Grenzen. Ich musste schauen, wie ich überleben konnte. Andere haben schlimmere Verletzungen davongetragen. Die Auseinandersetzung mit Spiritualität will ich nicht einfach über Bord werfen und so tun, als wäre sie kein Thema mehr. Ich versuche, zu unterscheiden und meine Unabhängigkeit zu bewahren und zu stärken. Ich möchte mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärken, das durch diese ganze Geschichte stark beschädigt wurde. Wenn ich jetzt zurückschaue, sehe ich natürlich auch gewisse Dinge, die ich lernen konnte, obwohl ich noch mit den Wunden kämpfe. Jetzt versuche ich, diese Wunden zu pflegen, indem ich mich regelmässig mit einer Franziskanerin treffe, mit der ich mich austauschen kann. Sie kann meine spirituelle Suche nachvollziehen und unterstützt mich in der Verarbeitung. Ich sage immer, ich bin mit einem blauen Auge davongekommen, Gott sei Dank. 

Fussnoten

(1) «Maran atha», aram. «Unser Herr ist gekommen» bzw. «Marana tha», aram. «Unser Herr, komm». Mit der christlichen Gemeinde Maranatha in Arbon (CH) und weiteren gleichnamigen Organisationen bestehen keine Zusammenhänge.

(2) Selbstdarstellung siehe www.kabbalabenedikt.de

(3) Das Zentrum von Heinrich E. Benedikt in Immenstadt hiess damals Haus Immanuel. Wichtig: das heutige spirituelle Zentrum auf der Riederalp wird unabhängig von Heinrich E. Benedikt geführt.

(4) Hebräische Bezeichnung für Leuchter, Lampe. Siebenarmiger Leuchter und wichtiges religiöses Symbol des Judentums.

(5) Johannesoffenbarung, Kapitel 1,Vers 7: «Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen.»

(6) Messianische Juden begreifen sich als Teil des Judentums, anerkennen Jesus Christus (Jeschua) aber als Messias für das Volk Israel.

(7) www.peace-in-the-holy-land.org

(8) www.jerusalem-academy.org

 

Appendix

© Infosekta 2007

 

Text überarbeitet 25. 3. 2009.

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